Roboter mit niedlichen Wackelaugen bauen – wer kann da schon widerstehen? Kein Wunder, dass der Girls‘Day-Workshop innerhalb weniger Stunden ausgebucht war. Wenn es um kreative Dinge geht, sind Mädchen schnell begeistert. Auch in technischen Berufen kommt es auf Kreativität an, sagt Inés. Sie ist Ingenieurin am HZB und hat mit den Mädchen beim Girls‘Day Roboter gebaut. Wir haben sie gefragt, warum sie sich bei diesem Aktionstag engagiert.

Warum machst Du beim Girls’Day mit?

Ich finde den Girls‘Day super wichtig, damit Mädchen mit anderen Erfahrungen in Berührung kommen als zu Hause oder in der Schule. Ich habe bereits zum dritten Mal einen Workshop angeboten und ich baue immer etwas kleines Technisches mit den Mädchen. Einmal haben wir blinkende Ohrringe gebaut, dieses Mal habe ich sie kleine Roboter aus Zahnbürstenköpfen basteln lassen. Die Mädchen sehen dann, dass sie kleine Dinge allein bauen können und natürlich finden sie Technik toll. Aber es geht auch darum, dass sie sich solche Sachen selbst zutrauen.

Das ist leider immer noch keine Selbstverständlichkeit, oder?

Oft gibt es eine Hemmschwelle und die Mädchen denken: „Das kann ich gar nicht“ oder „Dafür stelle ich mich bestimmt zu blöd an“. Leider schwingen immer noch unterschwellig solche Botschaften mit, wenn es um technische Dinge geht. Das führt dazu, dass der Vater lieber für die Tochter das Reparieren übernimmt, anstatt sie es erstmal selbst versuchen zu lassen. Doch wenn man keine Vorbilder im eigenen Umfeld hat, kommen Mädchen nicht darauf, einen technischen Beruf zu wählen. Hinzu kommt, dass sie auch nicht wissen, welche technische Berufe es überhaupt gibt. Deshalb ist der Girls‘Day eine gute Chance zu zeigen, was Ingenieurinnen, Programmiererinnen und Technikerinnen alles machen. Obwohl man ehrlicherweise sagen muss, dass es nur ein flüchtiges Hineinschnuppern in die Berufe ist, denn natürlich kann man in anderthalb Stunden nicht wirklich etwas bewirken.

Roboter aus Zahnbürstenköpfen klingt nach einem lustigen Projekt. Hat das gut geklappt – trotz des digitalen Formats?

Durch Corona fand der Girls‘Day zum ersten Mal digital bei uns statt. Trotzdem wollte ich nicht nur irgendwas am Computer machen, sondern etwas „Handfestes“ bauen. Es musste etwas Einfaches sein, das die Mädchen zu Hause vor den Rechnern ohne Hilfe und Werkzeuge bauen konnten. Da ist mir die Idee mit den kleinen Robotern gekommen. Ich habe einen Bausatz zusammengestellt mit einen Zahnbürstenkopf, einer Batterie und einem Vibrationsmotor, zusammengeklebt mit Patafix und doppelseitigem Klebeband. Die Materialien haben wir den Mädchen als Päckchen nach Hause geschickt.

Und wie lief das Zusammenbauen?

Die Mädchen waren super, es gab keine Probleme beim Zusammenbauen. Wir waren eine Gruppe von sieben Mädchen, die meisten waren zwischen 10 und 11 Jahren alt und alle hatten Spaß. Vorher habe ich noch ein bisschen über meine Arbeit am Beschleuniger BESSY II erzählt und ein paar Grundlagen erklärt, zum Beispiel warum die Unwucht dazu führt, dass sich die Roboter bewegen.

Wie bist Du dazu gekommen, in einem technischen Beruf zu arbeiten?

Ich hatte es leicht, denn mein Vater ist Maschinenbauer und meine Mutter technische Zeichnerin. Ich habe schon früh gelernt, Dinge selbst zu reparieren. Am Sonntag haben wir manchmal Spaßrechnungen angestellt, zum Beispiel, ob man die Umlaufbahn der Erde beeinflussen kann, wenn alle Menschen auf der Erde gleichzeitig hüpfen. Später habe ich an meinem PC herumgebastelt, html-Seiten erstellt und angefangen zu programmieren. Technik war für mich also nie etwas Exotisches, sondern etwas, das das Leben leichter macht. Später habe ich dann Mechatronik studiert, also ein Fach, das Allrounder-Fähigkeiten vermittelt.

Was macht Dir am meisten Spaß an Deinen Beruf?

Ich arbeite am Elektronenspeicherring BESSY II in der Diagnosegruppe und programmiere vor allem. Was mich fasziniert, ist die Kreativität an meinem Beruf. Das überrascht vielleicht einige, aber Ingenieur*innen müssen tatsächlich sehr einfallsreich sein. Oft gibt es ein Problem und wir müssen uns überlegen, wie wir es lösen können. Der Weg, bis man eine gute Lösung gefunden hat, ist manchmal lange und es gibt oft viele Abzweigungen und Umwege. Das macht es spannend und es wird nie langweilig.

In der Befragung nach dem Girls‘Day haben viele Mädchen als Berufswunsch Friseurin genannt. Überrascht Dich das?

Nein, es zeigt einfach, wie verbreitet solche Berufsvorstellungen unter Mädchen sind und wie wichtig es ist, dass es Aktionen wie den Girls‘Day gibt. Ich würde mir sogar ein nachhaltigeres Format wünschen, denn mit nur einem Tag ist die Arbeit natürlich nicht getan. Mädchen brauchen Vorbilder und ich möchte gern eine Brücke bauen, damit sie sehen: Technik macht Spaß.

Das ist ein Thema, für das Du Dich ja auch privat engagierst.  

Genau, ich arbeite als Mentorin im Jugend Hack Lab Berlin in Friedrichhain. Zu uns kommen Jugendliche, die gern etwas Positives für die Gesellschaft tun wollen. Wir Mentor*innen unterstützen sie dabei, ihre eigenen Projekte umzusetzen. Dabei halten wir uns bewusst zurück, weil wir ihnen keine fertigen Lösungen präsentieren wollen. Ich könnte mir auch ein Projekt speziell für Mädchen vorstellen, wenn die Corona-Situation es wieder zulässt, sich persönlich zutreffen. Denn oft ist es so, dass sich Mädchen viel mehr zutrauen, wenn sie unter sich sind.

Zusatzmaterial: Baut selbst die Girls’Day-Roboter

Wollt ihr auch einen kleinen Roboter bauen? Inés hat für Euch eine Schritt-für-Schritt- Anleitung und Einkaufliste erstellt: https://wiki.x-hain.de/de/Tutorials/Bristlebots

Unser Schülerlabor

Neugierig geworden auf mehr Experimente? Das HZB-Schülerlabor bietet Projekttage und AGs am Nachmittag an. Das Schülerlabor hat auch die Workshops zum Girls’Day kräftig mit unterstützt und vorbereitet.

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